Gitarrenpedale

Als Bassist zweier Alternative Bands gilt mein besonderes Interesse neben den tiefen Tönen natürlich auch Gitarren und Gitarrensounds. Dabei erlebe ich immer wieder ziemlich extreme Einstellungen, was das Erzeugen derselben betrifft.

Mein Freund Peter Hübner ist zum Beispiel ein ziemlicher Purist. Peter versucht alle seine Sounds nur mit verschiedenen Gitarren und Amps zu erzeugen. Das bedeutet, daß er so manchen Amp auf eBay ersteigert, ihn intensiv testet und dann entweder behält oder wieder verkauft. Das gleiche macht er mit Gitarren. Gitarrenpedale findet er doof. Das hat natürlich seine Berechtigung, ist aber teuer, man hat viel Material und Röhrenamps sind nun mal auch wartungsintensiv.

Mein Freund Limo ist da eher pragmatisch, er spielt einen Fender Prosonic und verwendet ein kleines Delay sowie ein Morley Wah, das wars. Den Rest macht er halt mit den Fingern. Das ist irgendwie auch ein Extrem, funktioniert in seinem Fall aber ganz vorzüglich.

Ich wiederum habe mir schon bei der Einrichtung meines Tonstudios Gedanken drüber gemacht, was man Gitarristen anbieten kann, damit sie im Studio Sounds erzeugen können, die sie im normalen Bandleben nicht haben, weil sie sie vielleicht erst im Studio brauchen. Oder um ihnen einfach andere, neue Sounds anbieten zu können. Oder um jungen Bands mit limitierten Mitteln einfach bessere Soundmöglichkeiten zu eröffnen.

Dabei führte der Weg natürlich über die derzeit omni presenten digitalen Emulationen a la Pod. Das funktioniert natürlich irgendwie, klingt aber immer auch irgendwie nach Plastik, ich fand es nicht toll. Außerdem finde ich es wirklich schwierig mit diesen Dingern zwei Sounds (z.B. einen verzerrten und einen unverzerrten) zu erzeugen, die den Gleichen Lautheitseindruck vermitteln und auch die gleiche Durchsetzungsfähigkeit haben.

Lustiger waren da schon die analogen Ampsimulationen a la SansAmp Tri AC. Das ist wirklich eine verblüffende kleine Kiste, aber auch damit entwickelt sich natürlich nicht der Druck eines richtigen Amps.

Ich habe dann bei BTM Guitars einen Mesa Boogie Express 50/50 gekauft, das ist wirklich ein sehr vielseitiger Amp, der erste Boogie der Clean-, Crunch- und HiGain-Sounds gleichermaßen beherrscht. Britisches wie Vox oder Marshall hat er nicht so drauf.

Dazu wollte ich natürlich alle erdenklichen Effektmöglichkeiten. Meine Experimente mit digitalen Effektgeräten von TC (G-Major und G-System) waren genau so ernüchternd wie die Erfahrungen mit dem Pod. Einfachste Effekte wie Kompressor oder Phaser klingen bei diese Kisten einfach grässlich.  Zudem ist diese ganze Menüstruktur dieser Geräte der Tod der  Kreativität und Spontanität. (Versuch doch mal bei so einem Gerät gleichzeitig den Threshold Deines Kompressors und den Gain Deines Booster zu bedienen....!). Kurz und gut, digital war (fast!) abgewählt.

Das einzige akzeptable digitale Gerät in meiner Gitarrenabteilung ist im Moment ein Fender Cybertwin, dessen Twin Reverb Sounds ich wirklich sehr gerne mag. Auch sind einige seiner Modulationseffekte (Univibe, Tape Delay, Phaser und Chorus) wirklich gut.

Mit Pedalen für Bass hatte ich vorher schon experimentiert, allerdings mit ernüchternden Ergebnissen.  Ich brauchte für Shiny Gnomes einfach nur einen verzerrten Bassound und der Weg dorthin war lang und beschwerlich. Die besten Ergebnisse lieferten nicht die ausgewiesenen Spezialisten, Bassverzerrer von Ashdown, MXR und EBS, sondern Limos alter MXR Distortion+ Gitarrenverzerrer.

Auf die Idee mit den Gitarrenpedalen hat mich dann eigentlich der Erhard von der Cripple Creek Band gebracht. Der macht nämlich alle seine Sounds mit dem cleanen Kanal eines Mesa Boogie Express 25/25 und einer stattlichen Sammlung von analogen Effektpedalen (und nur einem digitalen Delay). Er verwendet einen Hermida Zendrive, einen Keeley Kompressor, einen Fulltone OCD und damit einen wirklich  tollen Sound. Das war auf jeden Fall Grund genug, mich einmal mit solcher leih Pedalerie zu beschäftigen.

Ich bin dann nach einigen Stunden Internet Recherche auf ein Fass ohne  Boden gestoßen. Es gibt in Amerika wahrscheinlich mehr Keller in denen Gitarreneffekte zusammengelötet werden, als College Footballmannschaften und Cracklabore (siehe Linkliste, www.pedalgeek.com).

Ich habe dann auch einige Geräte auf eBay ge- und verkauft und habe inzwischen auch ein brauchbares Sortiment an Fertiggeräten, die genau das tun was sie sollen ohne den Sound des Amps zu plastinieren.

Ich verwende im Moment folgende Geräte:

Diamond Compressor
Roger Mayer Voodoo Bass Overdrive
Fulltone GT 500 Boost/Distortion
MXR 103 Fuzz
Diamond Halo Chorus
MXR Carbon Copy Delay

Viel wichtiger als die Erkenntnis, das es viele Erzeuger solcher Geräte gibt, ist jedoch die Tatsache, das es auch Hersteller von Bausätzen solcher Geräte gibt, u. A. auch in Deutschland (siehe Linkliste). Diese verwenden zum Teil auch noch historische Schaltungsdesigns, die technisch zwar wirklich völlig out sind, aber dafür zu eigenständigen und zum Teil wunderschönen Klängen führen. Außerdem kann man Klone von bestimmten, sehr teuren Effektpedalen für einen Bruchteil des Preises des Originals bauen. Falls das Original überhaupt noch erhältlich ist.

Das löten der Platinen fiel mir sehr leicht, zumal ich mit einfachen Schaltungen angefangen habe. Man muss halt aufpassen das man die Halbleiter nicht mit dem Lötkolben grillt. Ein schönes, sauber lackiertes und beschriftetes Gehäuse ist schon schwieriger herzustellen, da bedarf es vieler Experimente, einiger Tricks und viel Zeit. Die handbeschrifteten und -bemalten Gehäuse einiger amerikanischer Kleinserienhersteller gefielen mir nämlich nicht. Beim verdrahten der Bauteile sollte man in der Lage sein, den Fehler, den man gerade gemacht hat, zu suchen und zu beheben. Also ist das ganze nichts für Leute ohne gewisse Vorkenntnisse und ohne eine gewisse Geduld, schnell machen geht irgendwie nicht. Auch sollte man ein Minimum an vernünftigem Werkzeug haben.

Ansonsten ist das ganze ein ziemlicher Spaß. Da es doof ist immer nur alleine Spaß zu haben, viele Gitarristen wahrscheinlich auch nicht den Nerv haben so was selber zu bauen und das ganze zudem sehr Zeitaufwendig ist, habe ich mich entschlossen selber zum Boutique Pedal Hersteller zu werden und fertig gebaute Geräte zum Kauf anzubieten.

Im Moment gibt es 4 Geräte:

THE 69 FUZZ  Standard                                                                                                70.- EUR
THE 69 FUZZ  Selektiert                                                                                               80.- EUR

Ist ein Fuzz auf Basis von zwei Germanium Transistoren mit erstaunlich viel Regelmöglichkeiten neben Gain und Fuzz gibt es noch einen Regler für die Transistorvorspannung (Bias) und einen Lowpass Filter (Tone).  In der normalen Version ist der 69 Fuzz kein brutaler Quietscher sondern ein wunderbar warmer Verzerrer mit einem tollen vintage Ton, der sofort zum Sliden einlädt. Telecaster und Twin Reverb und auf geht's mit Ry Cooder in die Sümpfe von Louisiana.
Ich habe  inzwischen einen Lieferanten für verschieden selektierte Germaniumtransistoren gefunden, so dass ich den 69 Fuzz in einer Low Gain/MediumGain/HiGain Version anbieten kann.

Da der 69 Fuzz ein Schaltungsdesign mit positiver Masse besitzt, kann er NICHT mit anderen Geräten (Daisy Chain) an einem Netzteil betrieben werden.

THE 10 DRIVE                                                                                                           110.- EUR

Ist auf Anregung von Erhard entstanden und ist ein Klon des sauteuren Hermida Zendrive mit den gleichen Regelmöglichkeiten. Neben Volume und Gain gibt es hier auch einen  Tone Regler und einen Lowpass Filter.  Ein ganz sanfter Verzerrer/Overdrive für wirklich tolle Crunch Sounds zu Bruchteil des Preises des Originals. Laut Erhard ist der Klon etwas durchsichtiger und höhenreicher als das Original.

THE 70 BENDER

Text & Bild folgen

THE 64 VIBRO

Text & Bild folgen

Wie sich das für einen Boutique Hersteller gehört, wird das Gerät auf Bestellung hergestellt, Vorratslagerung lohnt sich für mich nicht nicht. Gerät einfach per eMail bestellen (mit einer Warteliste, wie sie manche amerikanische Kollegen haben rechne ich nicht), zwei Wochen vor Auslieferung kommt eine Rechnung, diese bezahlen, dann kommt das Gerät, betriebsbereit, getestet, mit Batterie, aber ohne Netzteil.


The Orange Room